Teil 15: Kein Happy End für Breiti
von Ferdinand Führer und Roland van Oystern

Was bisher geschah …
Das mächtigste Wesen im Kosmos Swami Assango, auch bekannt als das Plasma-Ich von Dirk Jora, hat Campino und Til Schweiger in eine andere Dimension entführt und sich im Suff von den beiden überreden lassen, sie wieder zurückzuführen. Aber ist dem mysteriösen Swami wirklich zu trauen?
Abschied, denkt sich Campino, war immer ein großes Thema in meinen Liedern. Oh süßer Schmerz, komm über mich!
Der Punkrocker Campino ist auf dem Weg zu Frau und Baby, um sich ein letztes Mal zu verabschieden.
Das wird gleich voll schön! Ich bin gleich voll nett zu denen. Ich werde diese wunderbaren Menschen für immer in meinem Herz aufbewahren und danach kann ich endlich abhauen. Wie ist das eigentlich bei Dimensionswiederzusammenführung? Gibt es die ohne mich dann überhaupt noch oder zerplatzen die dann so voll eklig?
Campino hat sich bei Kolja 35 Euro geliehen und betritt jetzt mit frischer Pizza die Mietwohnung. „Frau und Baby, her zu mir! Heute wollen wir speisen!“
Campino gibt jedem seine Pizza, beißt in ein Stück hinein und verzieht angewidert das Gesicht.
„Bah, ist die ölig. Kann mich nicht erinnern, jemals so eine schlechte Pizza gegessen zu haben, so ölig, das Öl läuft mir am Hosenbein runter.“
„Kann man schon essen“, sagt die Frau.
„Eben nicht!“, schreit Campino, und schmeißt sein Stück zurück in den Karton. „Dem Baby schmeckt es auch nicht!“
„Das Baby darf noch gar keine Pizza essen.“
„Ach so. Kann froh sein, das Baby. Schmeckt nämlich wie frittiert und dann nochmal frittiert. Ich muss jetzt auch gleich nochmal los.“
Campino steht auf und verlässt sein alternatives zu Hause.
Im magischen Wald warten schon Schweigi und Kolja. Um sich die Wartezeit zu verkürzen, hat sich Schweigi ein kleines Bommerlunder-Fass mitgebracht. „Was für eine widerliche Plörre“, sagt Kolja, und zapft nach. „Wenn die Dimensionszusammenführung wirklich klappt, hör ich auf zu Saufen, das schwör ich dir, Schweigi! Das schwör ich beim Herrgott dem Allmächtigen!“ Puff! „Hat hier jemand von mir gesprochen?“ Durch die Präsenz des Plasma-Ichs von Dirk Jora schimmert der magische Wald extramagisch. In seiner Hand hält er die kosmische Stimmgabel. „Wo ist Campi? Wenn es heute nicht klappt, sind wir verflucht und müssen einen Monat warten bis zum nächsten Vollmond!“ „Nur über meine Leiche!“, ruft Campino, und tritt hinter einem Busch hervor. „Lieber bring ich mich um! Wie in dem Song Alles aus Liebe. Da bring ich zuerst euch und dann mich um. Kennt ihr den?“
„Ich hör keinen Punk“, sagt Schweigi.
„Kommerzscheiß“, sagt Swami. „Aber egal jetzt. Da, seht ihr das? Das ist die kosmische Stimmgabel.“ Die komische Stimmgabel beginnt zu vibrieren. „Jetzt müssen wir singen! Main-Character-Aura auf zweihundert Prozent! Volldampf jetzt!“
Und während der blasse Mond als einer von unendlichen Welten auf den magischen Wald hinabstrahlt, singen unsere vier Tenöre das zauberhafte Sauf- und Fresslied „Eisgekühlter Bommerlunder“. Der Rahmen der Existenz beginnt zu wackeln. „Singt kräftiger!“, beschwört Swami Assango. „Aus tiefstem, reinem Herzen mit voller Frontmannkraft! Denn Frontmänner, das sind wir allesamt!“ Die Wirklichkeit rumpelt und pumpelt und Funken sprühen von irgendwoher, doch die finale Zusammenführung will sich nicht einstellen. „So eine Scheiße!“, ruft Campino, als sich plötzlich auch noch Polizeisirenen nähern. „Das jetzt auch noch, die Bullen! Die wollen mich wegknasten. Die machen Jagd auf mich.“
„Warum das denn?“, will Kolja wissen.
„Ich hab da doch letztens bei dieser Kommunion das Kind geschlagen. Vielleicht hab ich auch den Vater und den Bruder und noch ein paar mehr Kinder geschlagen, kann schon sein. Es war Notwehr. Ihr wisst das.“
Mit den Bullen im Nacken geben unsere vier Helden nochmal alles. In der Stunde der höchsten Not, als das Licht der Sirenen schon blau in den Baumkronen widerscheint, treten alle Zaubertiere in den Kreis der Frontmänner und stimmen mit ein.
„Oh, liebe Tiere, ich wusste, ihr lasst mich nicht im Stich!“
„Einer für alle, alle für einen!“, übermittelt das Eichhorn Campino auf telepathischem Wege. Und dann ist es so weit: Über alle Welten hinaus erschallt das magische Volkslied und kawusch! Der Wald ist leer. Der Wald steht still und schweigt. Der Wald ist weg.
Campino steht mit einem halb gestürzten Altbier im südamerikanischen Backstageraum als wäre nie was gewesen. Breiti schaut zur Tür rein: „War ein geiler Gig, Campi! Ich fahr schon mal ins Hotel. Du weißt doch, wie gern ich nach dem Gig schlafe.“ Die Tür geht wieder zu. Doch durch die andere Backstagetür kommt auch ein Breiti. „Was ist denn hier los? Ich bin ja irgendwo. Campi, wo sind wir?“ Scheiße, ein doppelter Breiti, denkt Campino, das kann nur das Werk des kosmischen Spaßmachers Swami Assango sein. „Mir war ja ein Breiti schon fast immer zu viel“, murmelt Campino. „Diesen hier muss ich loswerden.“
„Hä, was?“, sagt Breiti.
„Nichts, nichts“, antwortet Campi. „Komm mal mit. Ich muss dir unbedingt was zeigen unten im Heizungskeller.“
„Ich weiß nicht recht“, sagt Breiti. „Eigentlich wollte ich jetzt gar nicht in den Heizungskeller.“
„Doch, doch, komm mal mit jetzt. Ich zeig dir was.“
Die beiden gehen die dunklen, kalten Steintreppen hinab.
„Kuck mal, da im Eck!“, ruft Campi, und mit beindruckendem Schwung stiefelt er Breiti in den Kellerraum hinein.
„Dass du so weit gehen würdest, Campino!“
Campi verriegelt das Schloss und schmeißt den Schlüssel weg.
„Bitte versteh mich nicht falsch, das ist etwas ganz Persönliches. Ich kann keine zwei Breitis zulassen. Falls dich keine Pestratte annagt, kannst du hier bestimmt noch dreißig, vierzig Jahre leben, oder drei, vier Tage. Wie auch immer. Nach Südamerika kommen die Hosen jedenfalls nicht mehr.“
Campis Handy klingelt. „Oh, Schweigi, da musss ich rangehen“, sagt er und geht weg.
„Hey Campi, bist du’s? Bist du der Campi aus der Kneipe?“
„Ja, genau der.“
„Dann hat’s also geklappt. Ich fand’s ja eigentlich ganz schön drüben. Jetzt muss ich wieder Drehbücher schreiben und im Feuilleton steht dann, dass es der hinterletzte Scheißdreck wär. Kommst du bei mir vorbei auf Mallorca zum Eimersaufen und Manta, Manta – Zwoter Teil gucken? Der guten alten Zeiten wegen.“
„Der guten alten Zeiten wegen würde ich alles tun.“
ENDE
von Ferdinand Führer und Roland van Oystern
Danke an unsere Gastautoren Ferdinand Führer und Roland van Oystern für die 15 unterhaltsamen Teile, das war wirklich erfrischend!
Ronja

